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Emma Stolle auf den Spuren Otto Rehhagels

(mf) Kann Geschichte sich wiederholen? Auch wenn Jahrzehnte zwischen zwei Ereignissen liegen und sie komplett unterschiedliche Menschen und Sportarten betreffen? Sie kann! Denn wer den Championatskampf der Traber-Amateure verfolgt, muss unweigerlich an Fußball-Legende Otto Rehhagel denken und seinen Coup von 1998: Mit dem gerade erst aufgestiegenen 1. FC Kaiserslautern wurde er deutscher Fußball-Meister, das gab es noch nie zuvor und danach.

Nicht viel anders könnte es Emma Stolle ergehen. Bereits in ihrer zweiten Saison kämpft die junge Amazone mit Titelverteidiger Thomas Maaßen erbittert um das Championat. 34 Tage, also weniger als fünf Wochen vor Saisonschluss, steht es 14:14. Spannender geht es nicht und elektrisiert die Traberfans umso mehr, als bei den Profis die „Luft“ zugunsten von Michael Nimczyk längst raus ist.

Bei den Amateuren dagegen kann jeder noch folgende Sieg der entscheidende sein. Kurios die Parallelitäten der beiden Kandidaten, auch wenn sie altersmäßig einige Jahrzehnte trennen: Maaßen ist im rheinischen Willich Gastronom und hat mit seinem Neffen Michael Nimczyk einen ganz Großen des Trabrennsports in der Familie, Stolles Vater Klaus-Volker ist in Berlin erfolgreicher Hotelier und früher als Amateur wie Besitzer einer der bedeutendsten gewesen. Eigentlich war „KVS“ raus aus dem Sport und Emma nie richtig drin. Außer beruflich, denn als Moderatorin des Senders Hauptstadtsport.tv berichtete sie häufig aus Mariendorf.

Und dann sprang der Funke über, aus dem Nichts. Bonanomi CG hieß Ende 2019 die erste Stute der Neu-Besitzerin Emma Stolle, mit ihr gelang ein Jahr später auch kurz nach der abgelegten Prüfung der erste Erfolg als Amateurfahrerin. Ein Durchstarten verhinderte allein Corona, denn im November 2020 wurden die Amateure quasi aus dem Verkehr gezogen und durften erst im Juni 2021 wieder Rennen fahren. Und das tat Emma Stolle, die bereits in der kurzen Zeit ihrer ersten Saison mit sechs Siegen auf Platz sieben im Championat gerast war, in diesem Jahr mit allem, was sie hat: Talent, Ehrgeiz und ein schnell wachsender Rennstall. Denn was gibt es schöneres für einen Vater, als seine Tochter zu unterstützen? Nicht viel, und Klaus-Volker Stolle ist mit ganzem Herzen (wieder) dabei im Trabrennsport.

Es ist eng derzeit. 14:14 Siege, 25:24 Plätze und 56:50 Fahrten sehen die Newcomerin minimal im Vorteil. Diese Woche wollen sie auf getrennten Wegen gewinnen. Am Sonntag startet die reisefreudige Stolle in Hamburg-Bahrenfeld zweimal, Maaßen hat für seine drei Engagements auf der Heimatbahn Mönchengladbach weniger Aufwand. Am Montag ist die Herausforderin in München-Daglfing zweifach aktiv, am Mittwoch der Titelverteidiger ebenso oft in Dinslaken. Bis zum 5. Dezember in Mariendorf, wo es zu direkten Duellen und möglichen Big Points kommen könnte, sollten beide um mindestens zwei Siege „reicher“ sein, und dann geht sie weiter, die entscheidende Phase im Amateurfahrerchampionat. Ob sie mit einer ähnlichen Überraschung endet, wie sie 1998 Otto Rehhagel schaffte?