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Der Countdown lÀuft

Bevor ich mit dem heutigen Thema beginne, möchte ich noch einmal betonen, dass ich den Sieger des Epsom Derbys richtig vorhergesagt habe. Desert Crown muss ein echtes Ausnahmepferd sein und so leicht wie er gewonnen hat, darf man auf seinen weiteren Weg mehr als gespannt sein. Schon lange hat man im englischen Derby keinen so ĂŒberlegenen Sieger gesehen, beim nĂ€chsten Start kommt er mir deswegen definitiv auf den Schein. Ich sehe ihn auch im Arc oder in den King George. Einen Star wie damals Lammtara, das braucht unser Sport. Bei Desert Crown ist alles möglich. Im Prix de Arc de Triomphe gibt es fĂŒr ihn derzeit eine Langzeitquote von 45:10.

Auf den Wettschein gehört aber definitiv auch der dritte aus dem Derby, Westover, der ein ganz schlechtes Rennen gehabt hat und unter Wert geschlagen war. Ob er dem Sieger nahe gekommen wĂ€re oder nicht, sei dahingestellt, gekitzelt hĂ€tte er ihn allemal. Westover gehört deswegen auch auf unseren Merkzettel. Am Langzeitmarkt fĂŒr den Arc steht er bei 160:10. Am Sonntag in Chantilly haben wir zudem den möglichen neuen Superstar des Aga Khan gesehen. Vadenis Sieg war sehr beeindruckend, leider hatte ich ihn nicht auf dem Schein. Das passiert mir nicht noch einmal. Eine mögliche Chance auf ihn zu wetten, gibt es eventuell auch im Arc. Auf dem Langzeitmarkt steht der Churchill-Sohn bei 100:10.

In Richtung Arc marschiert auch Mare Australis, den ich nicht nur bei seinem DebĂŒt geritten habe, sondern bisher auch bei jedem seiner Starts auf dem Wettschein hatte. Nun hat der Schlenderhaner den Grand Prix de Chantilly gewonnen. Das bringt ihn ebenfalls an die Spitze der Wettkurse fĂŒr den Arc, zurzeit steht er dort bei 130:10. Schon jetzt einige Monate vor dem Rennen sieht es mit den möglichen Startern Desert Crown, Westover, Vadeni und Mare Australis aus als wenn der diesjĂ€hrige Arc de Triomphe so gut besetzt wĂ€re wie noch nie. Die Vorfreude steigt.

Etwas kĂŒrzer als auf den Arc mĂŒssen wir auf das nĂ€chste Highlight hierzulande warten. Auch das nĂ€chste Derby auf europĂ€ischer BĂŒhne wirft nĂ€mlich seine Schatten voraus, das Deutsche Derby. Der Countdown lĂ€uft bereits, weniger als vier Wochen sind es noch bis zum wichtigsten Rennen des Jahres. Ich habe Queroyal und So Moonstruck schon seit Januar auf dem Schein und diese beiden werden, so wie es aussieht, tatsĂ€chlich zum engsten Favoritenkreis fĂŒr das Blaue Band gehören. So Monnstruck hat mich mit seinem zweiten Platz in der Union auch keinesfalls enttĂ€uscht und die Stallform von Markus Klug könnte kaum besser sein. Das Derby kann kommen.

Was mir aber gar nicht gefĂ€llt ist, dass nicht nur das Derby, sondern das ganze Meeting in Hamburg ohne seinen Kronprinzen, Andrasch Starke, stattfindet. Ein Derby ohne den Priester, das ist fĂŒr mich vollkommen unvorstellbar. Ich verstehe nicht, warum sich unser Sport so gerne in das eigene Fleisch schneidet. Ich habe mir dazu einige Fragen gestellt, auf die ich keine Antworten gefunden habe. EinfĂŒhren könnte man zum Beispiel einen Joker, so wie es im Ausland gang und gĂ€be ist? Warum kann man eine derartige Strafe nicht verschieben? Warum muss der beste Jockey Deutschlands diese Strafe gerade am Tag des Derbys absitzen? Warum? Warum? Warum?

NatĂŒrlich gebe ich zu, dass Andrasch gegen die Regeln verstoßen hat, aber macht nicht jeder Mensch Fehler? SelbstverstĂ€ndlich darf so etwas nicht passieren, aber im Rausch des Adrenalins passiert es doch immer wieder. Das wissen wir alle. Der Priester hat meiner Meinung nach nur versucht, das Rennen zu gewinnen und das bestmögliche Ergebnis fĂŒr das Pferd herauszuholen (sowie es in der Rennordnung steht). Hinzukommt, dass er sich zwar einen unerlaubten Vorteil verschaffen wollte, das Rennen aber nicht gewonnen hat. NatĂŒrlich verstehe ich, dass das Pferd einen Schlag zu viel bekommen hat, das ist aus tierschutzrechtlicher Sicht zu diskutieren. Man muss froh sein, dass wir mittlerweile bei fĂŒnf erlaubten SchlĂ€gen angekommen sind und ich befĂŒrworte das auch. Ich habe sogar immer damit gerechnet, dass ich meine Karriere ohne Stock beenden wĂŒrde. Wie ihr alle wisst, hat das nicht geklappt. Es geht mir also nicht darum das Ausmaß der Strafe klein zu reden. Die Strafe muss abgesessen werden, das ist klar. Er hat das Rennen aber dadurch nicht gewonnen, könnte man das Strafmaß demnach nicht verschieben, sowie es im Verkehrsrecht ĂŒblich ist? Die letzte Strafe von Andrasch Starke fĂŒr ĂŒbertriebenen Peitscheneinsatz liegt ĂŒbrigens mehr als fĂŒnf Jahre zurĂŒck. Vorsatz kann ihm hier nicht unterstellt werden. Es ist zudem schade fĂŒr die Fans von Mr. Derby ihn nun nicht in Hamburg reiten zu sehen. Es gibt sicherlich genĂŒgend Leute und dazu gehöre auch ich, die das Derby ohne den Priester gar nicht bewetten. Diese Entscheidung wird einen erheblichen Umsatzschaden anrichten. Meine Meinung.