Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Freitag in Cabourg:  Critérium-Vorbereitung im Mittelpunkt – Nachfolger von Galius gesucht 

(dip) Auf den ersten Blick wirkt es wie ein völlig unscheinbares Rennen. Eines, wie es in dieser Klassifizierung und Dotation in Frankreich in gefühlt hundertfacher Anzahl auf nahezu allen großen oder größeren Rennbahnen zu sehen gibt. Doch schaut man sich die Ausschreibung dieses “Prix des Hêtres” (Course A, 45.000 €, 2750 Meter) nur etwas genauer an und blickt gleichzeitig auf den Austragungszeitpunkt, wird sehr schnell deutlich, warum dieses Rennen bei Trainern, Besitzern und auch Fahrern einen solch hohen Stellenwert hat und längst zu einem der wichtigsten Rennen des Sommers mutiert ist.

Nahziel Kriterium

Lediglich den fünfjährigen Pferden bis 350.000 € Gewinnsumme vorbehalten und Anfang August zur Austragung kommend, ist diese auf den ersten Blick eher unspektakulär anmutende Prüfung das perfekte Vorbereitungsrennen auf das “Critérium des 5 ans”, das am 18.September in Vincennes noch einmal richtig viel Geld und kaum minder viel Prestige bereit hält. Exakt sechs Wochen vor diesem Gruppe I-Kracher könnte der Zeitpunkt für einen aktuellen Formcheck tatsächlich nicht besser sein. Für den ultimativ letzten Schliff mag es zwar noch etwas zu früh sein, denn es darf zurecht davon ausgegangen werden, dass nur die wenigsten Pferde – wenn überhaupt – bis zum “C5” keinen weiteren Start mehr wahrnehmen werden, doch allein die Überprüfung des momentanen Leistungsstandes wird den Trainern wichtige Erkenntnisse bringen. Und sollte die derzeitige Verfassung des Vierbeiners möglicherweise doch noch um einiges von den Planungen oder Erwartungen abweichen, wäre sogar noch ausreichend Zeit gegeben, um etwaigen kurzfristigen Veränderungen hinsichtlich Beschlag, Anspannung o.ä. eine Chance zu geben. 

Prominente Namen

Im vergangenen Jahr gewann kein Geringerer, als der spätere “Prix d`Amérique”-Zweite Galius sowohl dieses Rennen, als auch kurze Zeit später das Critérium, was natürlich als sportliche Werbung für diesen seit 2008 in dieser Form ausgetragenen Prix des Hêtres kaum zu toppen ist. Auch die Siegerliste der vergangenen Jahre ist geschmückt mit Namen, die vermutlich jedem Anhänger des französischen Trabrennsports ein Begriff sind. Stellvertretend hierfür seien nur Flêche du Yucca (2020) oder auch Django Riff (2018) genannt. Geradezu herausragend war das Teilnehmerfeld im Jahr 2016, als sich ein Großteil des “who is who” aus dem überragenden B-Jahrgang in der Normandie versammelte und von der Qualität her ziemlich jedes Gruppe I-Rennen locker in den Schatten hätte stellen können. Am Ende gewann Bugsy Malone vor Bird Parker, Bélina Josselyn, Billie de Montfort und Bahia Quesnot. Fünf Pferde also, die zum Abschluss ihrer Laufbahn jeweils auf eine siebenstellige Gewinnsumme zurückblicken konnten und teilweise sogar als Mehrfach-Millionäre ihre Karrieren beendeten!

Nachfolger von Galius gesucht

In diesem Jahr bewerben sich lediglich acht Teilnehmer um das Erbe von Vorjahressieger Galius. Ganz klar ist die Sache im Vorfeld trotzdem nicht, denn mindestens die Hälfte des Feldes darf sich mehr oder weniger berechtigte Chancen auf den Sieg ausrechnen. Insgesamt gesehen gute Referenzen bringt 6 HAPPY VALLEY (Jean-Philippe Dubois/Foto) mit, denn die Stute ist mit elf Erfolgen bei lediglich 20 Starts durchaus das, was man gemeinhin als “Siegertyp” bezeichnet. Mitte April gewann sie in Vincennes zudem sogar erstmals auf halbklassischem Parkett, was für die hier anstehende Aufgabe prinzipiell natürlich reichen könnte. Doch nach einer kurzen Auszeit enttäuschte die Victoria Dreams-Stute bei ihrem jüngsten Auftritt in Cabourg die Favoritenwetter, was in einer extrem defensiven Fahrweise begründet liegt. Eine schnelle Wiedergutmachung darf somit allgemein erwartet werden, doch sorgte die unter der Woche veröffentlichte Veränderung im Beschlag – die Stute tritt diesmal mit allen vier Eisen an – zumindest für leichte Zweifel, wenngleich Happy Valley in dieser Konfiguration auch schon gewinnen konnte. Wer dem Braten aber trotzdem nicht ganz traut, könnte alternativ bei 7 HANDY BOURBON (Francois Lagadeuc) gut aufgehoben sein. Der von Erfolgstrainer Sébastien Guarato vorbereitete Hengst hat mit “10 aus 20” einen sogar noch etwas besseren Siegschnitt vorzuweisen und sich darüber hinaus als echter Allrounder gezeigt, denn gleich bei seinem ersten Versuch offenbarte der Hengst bislang ungeahnte Monté-Qualitäten, die sofort zu einem Gruppe II-Treffer führten. Auch vor dem Sulky sind seine Fähigkeiten nicht zuletzt durch neun Siege unbestritten, so dass der auch rechts herum funktionierende und dort bei zwei Starts noch ungeschlagene Hengst hier zurecht seinen Anhang finden wird. Dies dürfte auch auf 8 HATCHET MAN (David Thomain) zutreffen, auch wenn der Hengst nach wie vor sehr wechselhaft agiert und einfach keine Konstanz in seine Form hineinbekommt. Wozu er an einem guten Tag in der Lage sein kann, bewies er noch im vergangenen Wintermeeting, als er sich ein Gruppe III-Rennen von der Spitze aus problemlos einverleiben konnte. Leider ist der gewinnreichste Teilnehmer in diesem Feld aber nicht immer so gut aufgelegt, doch in Abwesenheit der Jahrgangscracks wie Hohneck oder Hooker Berry, die weitaus mehr als 350.000 € auf dem Konto haben und hier nicht teilnahmeberechtigt sind, dürfte es für den Hengst auf Jahrgangsebene zukünftig kaum noch passender werden. Deutlich zuverlässiger agiert 5 HALICIA BELLA (Antoine Wiels), die zwei ihrer letzten drei Rennen gewinnen konnte und ohnehin so gut wie keine Ausfälle kennt. Auch sie wäre als Siegerin keine zu große Überraschung.

Spezialist Lebourgeouis

Dass Yoann Lebourgeouis speziell auf dem Hippodrome de Cabourg oftmals zu besonderen Taten aufgelegt ist, ist längst kein Geheimnis mehr. In den letzten Jahren war er hier stets der erfolgreichste Fahrer in den Sommermeetings und auch in der diesjährigen Ausgabe hat sich der 37-Jährige nach anfänglichen Schwierigkeiten längst gefunden. Auch der “Prix des Hêtres” ist natürlich seit vielen Jahren in seinem Terminkalender fett mit einem Rotstift markiert, was angesichts seiner überaus erfolgreichen Ausbeute nur verständlich ist. In den letzten sechs Editionen dieses Rennens gewann Lebourgeouis allein viermal. Und auch 2022 ist er trotz starker Konkurrenz zumindest nicht völlig chancenlos, denn sein Partner 2 HAUTAIN (Yoann Lebourgeouis) löste die Generalprobe für dieses Rennen vor drei Wochen mit Bravour. Zwar bekam es der Fünfjährige im Schnitt mit vergleichsweise schwächeren Gegnern zu tun, doch gefiel die Manier dieses überlegenen Sieges sehr. Sowohl für Lebourgeouis, als auch für die Besitzer des Hengstes wäre ein Sieg in diesem Rennen übrigens ein ganz besonderer, denn schon mit Hautains Halbschwester Estola gelang dieser Besitzer/Fahrer-Kombination im Jahr 2019 in diesem Rennen bereits ein voller Erfolg. Zumindest an ausreichender Motivation dürfte es dem Team um Hautain somit nicht mangeln.

Der “Prix des Hêtres” wird am Freitag in Cabourg als 4.Rennen um 20.45 Uhr gestartet.

pferdewetten.de-Tipp:  8 Hatchet Man – 7 Handy Bourbon – 6 Happy and Lucky  chancenreicher Außenseiter: 5 Halicia Bella